Unser Aids

Aktivismus

Lesereise Bernd Aretz

Der Kulturverein Berggasse organisierte in Zusammenarbeit mit zahlreichen Organisiationen der Community im Vorfeld der 1996 erstmals stattfindenden Regenbogen Parade im Rahmen von Sichtbar ’96 ein umfangreiches Informations- und Kulturprogramm, zu dem auch eine Lesereise von Bernd Aretz gehörte. Er las am

11. April in der Katholischen Hochschhulgemeinde Salzburg (in Zusammenarbeit mit der Aidshilfe Salzburg),

15. April im Literaturhaus Wien (in Zusammenarbeit mit der Aidshilfe Wien),

16. April in den Räumen der Aidshilfe in Linz (in Zusammenarbeit mit der Oberösterreichischen Aidshilfe),

18. April im Forum Stadtpark in Graz (in Zusammenarbeit mit der Steirischen Aidshilfe)

aus seinen Tagebuchaufzeichnungen Annäherungen. Meine ersten 10 Jahre im Zeichen von AIDS. Als Aretz sein Testergenis erfuhr galt eine HIV-Infektion weithin noch als Todesurteil, was den Kampfgeist des Juristen und Schwulenaktivisten anfeuerte . In seinen heute noch lesenswerten Notizen werden die Verzweiflung und die Wut der ersten Jahre der Aidskrise nachvollziehbar, wenn er einerseits gegen die Ignoranz der eigenen Community und andererseits gegen unüberwindbare Ängste ankämpft.

“AUS MEINEM TAGEBUCH. Anfang September [1991]: Ein mir unbekannter schwuler Mann – von der AIDS-Hilfe an mich verwiesen – ruft an. Er erwähnt, daß er nur noch 17 Helferzellen habe. Ich gebe die gewünschten Auskünfte, einige Empfehlungen und werde bei jedem Satz darauf hingewiesen, daß dieses oder jenes nicht gehe. Gesundheitsumstände, gesellschaftliche Gründe sprächen dagegen, meine Empfehlungen seine Rechte durchzusetzen, zu befolgen. Es ist der klassische Fall des vorgenommenen Scheiterns aufgrund eigener Ohnmachtsgefühle. […] Abends besucht mich ein junger positiver schwuler Mann, der auf der Suche nach Wegen zu seiner Sexualität ist. Er hat Schwierigkeiten damit, zu seinen Sexualpartnern offen zu sein. Safer Sex ist für ihn nur eine Krücke.” (Bernd Aretz: Annäherungen, S. 106f.)

Zwei Jahre nach seiner Lesereise durch Österreich erscheint ein weiterer Band von Tagebuchaufzeichnungen, Notate. Aus dem Leben eines HIV-infizierten schwulen Mannes, in dem sich Aretz mit dem Sterben seines Partners Jörg auseinandersetzt, der nur wenige Monate nach seiner Österreichtour verstarb. In Notate berichtet Aretz auch in einem Brief an den Organisator seiner Lesereise von seinen Eindrücken aus Österreich. (siehe pdf unten) Danke an Bernd Aretz, der heute in Offenbach lebt, für den Abdruck des Textes.

PS: Bernd Aretz erwähnt in seinen Erinnerungen an die Lesereise durch Österreich auch, dass er im Spielboden in Dornbirn aufgetreten ist. Wir konnten in unseren Unterlagen bislang keinen Hinweis auf das genaue Datum dieser Lesung finden. Kann sich noch jemand an Bern Aretz’ Auftritt in Vorarlberg im April 1996 erinnern?

Bernd Aretz: Annäherungen. Meine ersten 10 Jahre im Zeichen von Aids. Berlin: Verlag rosa Winkel 1995
Benrd Aretz: Notate. Aus dem Leben eines HIV-infizierten schwulen Mannes. Berlin: Verlag rosa Winkel 1997

 

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