Unser Aids

Kunst

Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat

Das Buch wirbelte in Frankreich viel Staub auf: Der Pariser Fotograf und Erzähler Hervé Guibert hatte sich bereits 1982 mit HIV infiziert, sechs Jahre später war die Krankheit ausgebrochen. Nun, Anfang der 1990er, legte er das Tagebuch seiner Zeit mit AIDS vor, ein indezenter, schamloser Schlüsselroman mit leicht erkennbaren realen Personen: Michel Foucault kommt vor, Isabelle Adjani als leicht hysterische Exzentrikerin und vor allem der Freund Bill, den Guibert als jungen Mann lennenlernte und der ihm nun, als Mitglied eines großen Pharmakonzerns, wiederbegegnet. Bill verspricht ihm den Zugang zu einem Geheimmedikament , das ihm wohl das Leben retten würde. Guiberts ganze Hoffnung gilt Bill und seinen Versprechungen, die dieser jedoch nicht hält.

Matthias Matussek schrieb im Spiegel über das Buch und den Skandal, den er vor allem in Frankreich ausgelöst hatte: “Nein, skandalös an diesem Buch ist seine Nähe zum Tod. Skandalös ist, daß es sich über die literarischen und andere Geschmacksurteile hinwegsetzt. Das ‘Ich’, das sich in diesem Tagebuch ausspricht, ist anmaßend, oft ungerecht, sarkastisch. Aber es berührt. Es ist eine Attacke auf Nerven und Gewissen. Es verletzt, weil es selbst verletzt ist.” (Matthias Matussek: Wettlauf mit dem Tod. In: Der Spiegel, 3. 6. 1991) Auch Raimund Hoghe sieht in der Zeit keinen Anlass zum Skandal: “Zu sprechen wäre über Liebe und Verrat, Berührungen, Nähe und Distanz, Freundschaft, Macht, Verzweiflung und Lust, das Leben mit Aids, das Leben gegen den Tod.” (Raimund Hoghe: Das Leben. Die Liebe. Der Tod. In: Die Zeit 20/1991)

Hervé Guibert: Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat. Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Reinbek: Rowohlt 1991

Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat. Guibert, Hervé