Unser Aids

Erinnerungen

Chanel 5 am Life Ball

Muss man den Menschen heute noch erklären, wofür der Life Ball steht? Eine der größten Aids Charitys in Europa, wahrscheinlich die aufregendste Aids Charity der Welt. Mit Gast-Designer Jean-Paul Gaultier ist die Party 1995 endgültig zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens Wiens geworden. Gidi, Arnold, Erwin, Peter und ich hatten beschlossen, zu unserem dritten Life Ball als Gruppe zu gehen. Die Idee hinter dem Outfit war die kolportierte Rivalität zwischen dem „wilden“ Gaultier und dem „gesetzten“ Lagerfeld und dessen Entwürfen für das Haus Chanel. Statt des teuren, aufwendig gewebten Wollstoffes haben wir einfach Waffeltuch benutzt, wie man es von Aufreibfetzen kennt. Ein paar Borten, viel billiger Plastikschmuck und Stiefel – der Effekt war gut genug, dass Gaultier mitten in einem Interview laut zu lachen anfing, als er uns erblickte. Auf dem Bild ist ein Freund aus Berlin zu sehen, der gut aussehende Mann im Anzug. Leider haben wir uns Ende der 90er aus den Augen verloren, wo Rainer jetzt ist, wüsste ich gerne.

Was das ganze mit Aids zu tun hat? Wie alle schwulen Männer jenseits der 40 sind wir betroffen. In den letzten 30+ Jahren haben wir alle Menschen aus unseren Adressbüchern streichen müssen und es war erschütternd, ganze Freundeskreise ausgelöscht zu sehen. Da erinnere ich mich lieber an die Zeit, die wir gemeinsam feiern können und etwas dagegen tun – und sei es nur mit Geld oder mit der Aufmerksamkeit, die wir erzeugt haben.

Chanel 5 sind: Gideon de Beer, Arnold Haas, Erwin Reisenhofer, Peter Holub und Alkis Vlassakakis

Text: Alkis Vlassakakis
Fotos: Erwin Reisenhofer
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