Unser Aids

Aktivismus

Ankündigung: Gespräch mit Michael Bochow

Der Berliner Soziologe Michael Bochow gehört zu den führenden Aids-Experten im deutschsprachigen Raum. Er leitete eine Reihe großer Umfragen zum Sexualverhalten schwuler Männer und untersuchte vor allem die sozialen Auswirkungen der Infektion.

In den 1980er und 1990er Jahren war Aids nicht nur eine tödliche Bedrohung, die alle treffen konnte, die nicht entsprechende Vorsichtsmaßnahmen trafen, sondern beförderte auch die Angst besonders schwuler Männer vor sozialer Ausgrenzung. Nun scheint im Rückblick die fast paradoxe Situation eingetroffen zu sein, dass gerade Aids männliche Homosexualität und schwule Lebensweisen in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rückte und damit zu einer Enttabuisierung führte.

Heute wird Aids zumindest in den reichen Ländern des Westens als chronische Krankheit bezeichnet, Aids hat damit aber auch seine Sichtbarkeit verloren. Wie änderte sich der soziale Umgang mit HIV-Positiven, wie die Präventionsstrategien, die unter schwulen Männern offenbar nicht mehr greifen, wenn man die steigenden Infektionszahlen gerade in dieser Gruppe von Betroffenen betrachten.

Im Vorfeld der AIDS Konferenz 2014 in Melbourne empfahl die Weltgesundheitsorganisation WHO eine neue Behandlungsmethode: PrEP (Pre-exposure Prophylaxis), also die Einnahme eines HIV-Medikaments als vorbeugende Behandlung, speziell für Männer, die ungeschützten Sex mit Männern haben (sogenannte MSM) und für Paare mit unterschiedlichem Immunstatus. Welche Auswirkungen werden diese Entwicklungen auf die soziale Situation schwuler Männer bzw. HIV-Positiver haben?

Unser Aids, die Internet-Plattform zur Geschichte von HIV und Aids in Österreich, startet mit diesem Gespräch eine Reihe von Veranstaltungen, in denen unterschiedliche Aspekte der Infektion, ihre Auswirkungen auf Betroffene aber auch auf die gesellschaftliche Entwicklung unter die Lupe genommen werden.

Montag, 8. September 2014, 19.30 Uhr
Das Gugg, Heumühlgasse 14, 1040 Wien
Eintritt frei!
Michael Bochow; Foto: David Ausserhofer (WZB)
Michael Bochow; Foto: David Ausserhofer (WZB)