Unser Aids

Über Uns

Unser Aids

Ein partizipatives Webprojekt zur Geschichte von HIV/Aids in Österreich mit Schwerpunkt auf Männern, die Sex mit Männern haben

Projektvorgeschichte

1983: Österreichische Medien berichten über den ersten Todesfall an den Folgen von AIDS. Zwei Wochen nach der ersten medialen Aufregung veröffentlichen die HOSI Wien und die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit die erste AIDS-Informationsbroschüre in Österreich.
1996: Bei der internationalen AIDS-Konferenz in Vancouver wird die antiretrovirale Therapie ART präsentiert, die Mortalität von HIV sinkt und HIV verwandelt sich zusehends in eine chronische Erkrankung.
2013: 30 Jahre Aids, die Neuinfektionszahlen sind auf hohem Niveau.
2014: Im Mai Start der Website www.unseraids.at, ab Herbst 2014 Veranstaltungsreihe AIDS: gestern – heute – morgen

Erstmals in Österreich soll die Geschichte von HIV und Aids systematisch und mit hoher Partizipation der Communities aufgearbeitet werden und damit HIV/Aids auch innerhalb der Communities wieder zum Gesprächsthema werden. Die Rethematisierung von HIV/Aids auf einer Ebene, die integrative Präventionsbotschaften enthält, führt zu einer persönlichen Auseinandersetzung (Betroffenheit). Wie schon der Name des Projekts sagt: Es geht nicht um Aids, es geht nicht um mein oder dein Aids, es geht um Unser Aids.

International gibt es kein Vergleichsprojekt, Initiativen wie HIV Story Project,Visual AIDS und The World Aids Museum bieten aber Anregungen für Unser Aids. Storytelling-Elemente des deutschen Webprojekts ICH WEISS WAS ICH TU sind auch Teil von Unser Aids.

Fragestellungen

“Der Schlüssel der Geschichte ist nicht in der Geschichte, er ist im Menschen.” (Théodore Simon Jouffroy)

Durch die Kombinationstherapie hat HIV/Aids seinen unmittelbaren Schrecken verloren. Heute sind wir zumindest in unserer westlichen, mit aktuellen Behandlungsmethoden versorgten Welt nicht mehr mit dem massenhaften Sterben von Freund_innen und Bekannten konfrontiert. Unser Aids will daher nicht nur die Geschichte von HIV/Aids vor dem Vergessen bewahren und Informationen über die Infektionskrankheit und ihre sozialen Auswirkungen für die Nachwelt bewahren, Unser Aids will auch durch die Beschäftigung mit der Geschichte zu einer bewussten Auseinandersetzung mit HIV/Aids heute führen.

Neben der historischen Dokumentation ist der kommunikative und partizipative Aspekt von Unser Aids für das Projekt entscheidend. Durch die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit, zum Teilen von Erinnerungen, wird die Diskussion über HIV/Aids befördert. Jungen Menschen, die die “Zeit des großen Sterbens” nicht miterlebt haben, wird damit verdeutlicht, welch drastische Auswirkungen HIV/Aids auf die schwul/lesbische Community hatte. Mit den Erinnerungen können somit auch Präventionsbotschaften kommuniziert werden.

Soziale Nähe zu HIV/Aids, die konkrete Sichtbarkeit, zu der Unser Aids beiträgt, führt zu sozialer Kompetenz, die wiederum maßgeblich an der Entwicklung der eigenen Gesundheitskompetenz (und damit auch dem eigenen Umgang mit HIV/Aids) beteiligt ist. Studien zeigen, dass die fehlende soziale Nähe zu HIV/AIDS die Risikowahrnehmung und das individuelle Schutzverhalten determinieren (Sigma Research, 2006).

Partizipation – und wir folgen hier dem Verständnis von Michael Wright (2010) – ist ein wesentlicher Faktor von Unser Aids. Durch das Einbeziehen breiter, ganz unterschiedlich ausgerichteter Organisationen der Szene (von politischer NGO bis zum Sex-Club) wird eine große Streuung der Informationen und Botschaften erreicht. Die Beteiligung an Unser Aids steht allen Menschen offen, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft oder ihrer sozialen Stellung, auch wenn das Schwergewicht der Erinnerungsarbeit auf der Gruppe der MSM liegt, die auch die hauptsächlich Betroffenen von HIV/Aids waren und sind, wie die aktuellen Statistiken epidemiologischer Zahlen zeigen.

Persönliche Erinnerungen zu HIV/Aids sind der wichtigste Teil des Projekts, denn die User_innen der Website sollen dazu animiert werden, diese zu teilen. Formal kann es sich um einen Text, ein Foto/Bild/Kunstwerk oder ein Interview handeln. Das Projektteam wird selbst Interviews mit Zeitzeug_innen nach dem Vorbild der Gespräche zu Stonewall in Wien führen. Darüber hinaus wird das Projektteam von Unser Aids aus den Archivbeständen von QWIEN und anderer Organisationen (HOSIs und Aidshilfen, sowie private Archive) wichtige Artikel, Berichte, Porträts von Künstler_innen, Dokumente über die Auseinandersetzung mit HIV/Aids aus Mode, Kunst, Film, Musik und Literatur einfügen, sodass am Ende eine umfassende Dokumentation zu HIV/Aids von 1993 bis heute online zur Verfügung steht.

Zielsetzungen

Ziel von Unser Aids ist es über den Projektzeitraum einen öffentlichen partizipativen Diskussionsprozess über HIV/Aids zu führen, die historischen Dimensionen der Infektion zu präsentieren und für einen Präventionsprozess heute zu nützen. Unsere Ziele sind erreicht, wenn unterschiedliche inhaltliche Beiträge auf der Website geteilt werden und über die sozialen Netzwerke Erinnerungsarbeit stattfindet. Messbar wird dieser Erfolg durch die Zahl der Zugriffe auf die Website www.UnserAids.at und der Zahl der Kontakte bei der Arbeit in den Sozialen Netzwerken.

Erhöhung der HIV-Literacy: Innerhalb der Hauptzielgruppe der MSM (und unter ihnen besonders Junge Erwachsene) soll mit Unser Aids die HIV-Literacy gesteigert werden. Über unsere Verbindungen in die entsprechenden Communities, über die Bewerbung in Lokalen und in klassischen (Szene)Medien informieren wir nicht nur über unser Projekt, sondern fördern auch das Wissen über HIV/Aids, wobei nicht das faktische Wissen über Safer Sex Praktiken etc. im Zentrum steht, sondern das soziale Wissen über HIV/Aids, das auch zu einem besseren Gesundheitsmanagement der angesprochenen Personen führt.

Projektteam:

Mag. Andreas Brunner, Zentrum QWIEN (Idee & Leitung)
Guido Prodinger, Zentrum QWIEN (Projektbetreuung)
Mag. Frank M. Amort,

Steuerungsgruppe:

Folgende Expert_innen zu HIV/Aids sind Mitglieder der Steuerungsgruppe:
– Dr.in Nina Arzberger, Psychoanalytikerin und Gesundheitsexpertin mit Schwerpunkt HIV/Aids
– Mag. Kurt Krickler, Generalsekretär der HOSI Wien und langjähriger Aids-Aktivist
– Helmut Mörwald, Long Term Survivor, Aids-Aktivist der 1990er Jahre
– Dominik Schibler, Präventionsmitarbeiter für MSM der Aids Hilfe Wien
– Mag. Wolfgang Wilhelm, Psychotherapeut und Co-Leiter der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen der Gemeinde Wien